Camino del Norte 2013

Immer wieder auf meinen bisherigen Pilgerwegen hatten mir Mitpilger nahe gelegt, den „Camino del Norte“, einmal zu gehen. Das ist ganz etwas besonderes hatte man mir gesagt. Es geht immer entlang der Küste (Canabrisches Meer, Golf von Biscaya) eine landschaftlich sehr reizvoll Gegend. Wegen der zerklüfteten Landschaft, dennoch ein schwieriger Weg. Natürlich hatte ich auch an das Wetterrisiko in der Küstenregion gedacht, insgeheim jedoch gehofft, daß das Glück auf meiner Seite ist.

Der Küstenweg „Camino del Norte“ Bilbao – Santiago de Compostela

Camino del Norte

Kurzum, Anfang des Jahres 2013, habe ich mich entschlossen, den „Camino del Norte“ zu gehen. Die Vorbereitungen begannen früh, d. h. ich habe viel in Foren gelesen  und mir auch Berichte von Pilgerkollegen angeschaut. Als die für mich beste Zeit habe ich Juni/Juli 2013, auch wegen der erwarteten Witterungsbeständigkeit, gewählt. Ob das ein guter Plan war, sollte sich noch herausstellen.

Am 02.06.2013 Anreise

von Singen nach Stuttgart/Flughafen, Marianne und Elisabeth fuhren mich, um dann selbst nach München weiterzufahren. Alles klappte reibungslos, diese Mal hatte ich bei Germanwings gebucht. Diese Airline fliegt nach Bilbao nonstop, ausserdem genießt man bei dieser Airline in den Sitzreihen mehr Beinfreiheit und das ist wirklich sehr angenehm. Kurz vor 12 Uhr war ich schon in Bilbao. Mit dem ganz normalen Linienbus geht es in die Stadt. Das  (Hostel Pil Pil € 20) hatte ich online gebucht. Alles OK, zuviel durfte man bei dem Preis nicht erwarten. Ich hatte noch genügend Zeit und schaute mich etwas in der Stadt um. Das Guggenheim-Museum war mein erstes Ziel. Die Spanier verstehen es immer wieder, Bauwerke mit den besten Architekten der Welt zu ertellen und mit diesen Jahrhundertbauten Geschichte zu schreiben.

 

Liebe Pilgerfreundinnen und Pilgerfreunde,

noch ein Wort in eigener Sache. Ich hatte mich schon lange Zeit bevor ich diese Pilgereise angetreten habe, gründlich vorbereitet. Vorbereitung heißt bei mir z.B., daß ich eine Internetseite auf WordPress erstellt habe, auf der alle meine Pilgerreisen einschließlich Hintergrundinformationen, Fotos etc. gespeichert waren. Auch von meiner derzeitigen Pilgerreise hatte ich bereits 3 Berichte und Bilder hochgeladen. Gestern nun die böse Überraschung. Beim öffnen meiner Passwort geschützten IT-Seite stellte ich fest, daß ein Idiot das Passwort und den Zugang geknackt und seinen eigenen Müll auf meiner Seite veröffentlicht hat. Ich war fassugslos und wütend, um was geht es da, was bezweckt jemand damit? für mache Freaks ist das regelrecht ein Hobby. Wieviel Arbeit für mich dahinter steckte, kann sich kaum jemand ausmalen. So vielen Freunden habe ich die IT-Adr. mitgegeben und mich immer über das große Interesse gefreut, das viele für meinen neuen Pilgerweg entgegengebracht haben.
Wie Ihr seht, ich habe mich trotz dieser Attacke nicht von der Dokumentation meines Pilgerweges abbringen lassen. Ich habe auf meinem alten Blog weitergeschrieben und mich über eure Begleitung gefreut.

04.06.2013 1’te Etappe von Bilbao noch Pobena 27 km

Recht ungewohnt, ich war auf dem Pilgerweg zurück. Zu diesem Anlaß lacht der Himmel, das schönste Wetter, allerdings noch etwas frisch, gefühlte 8 Grad vielleicht. Aber was solls, die Temperaturen stiegen schnell. Ich wußte, daß der Weg aus der Stadt und durch die Industriegebiete nicht gerade ein Hightlite darstellt, aber wie heißt es doch so schön „thats Camino“. Als mir dann die ersten entgegen kommenden Passanten ein freundliches „buon camino“ zuriefen, war ich wieder voll in meinem Element. Wie gesagt viel aufregendes gibt es von dieser Etappe nicht zu berichten, am Nachmitag erreiche ich La Arena direkt am Meer mit einer wunderschönen Badebucht. Ich lief noch ca 1 km zwischen Dünen und auf Stegen nach Pobena in die Herberge. Dort hatten sich schon einige Pilger eingefunden, ich hatte Zweifel, wie sind die hier hergekommen, den ganzen Tag hatte  ich keinen Pilger gesehen.

Ein bischen Wäsche waschen , ein kleines Pilgermenü und dann schlafen. Der erste Tag war ziemlich anstrengend und sehr ungewohnt. Der weite Weg steckte mir noch in den Knochen.

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05.06.2013 2’te Etappe von Pobena nach Islares 28 Km

Ich glaube ich war wirklich der Erste, der an diesem Morgen die Albergo verließ. Es war ca 6 Uhr 30, die Sonne noch nicht aufgegangen. Ein traumhafter Morgen, das sind die Tage an denen man vielfach belohnt wird, für das was man sich alles angetan hat und noch antut. Also zunächst über eine endlos lange Treppe hoch auf ein Plato. der erste Schweißausbruch. Aber dann ein atemberaubender Blick über das Meer, die Steilküste und im Osten die aufgehende Sonne. Wie gesagt atemberaubend, man freud sich, das man das erleben darf. Ich ging auf einem gut ausgebauten Weg an der Steilküste entlang. Dieser Küstenabschnitt hat vor allem auch industriegeschichtlichen Hintergrund. Um die Jahrhundertwende (19. Jh.), wurde von hier aus Eisenerz nach England, Holland u.s.w. verschifft. Zahlreiche Zeichnungen über die damals recht primitiven Methoden wiesen darauf hin. Irgendwann verliert sich der Camino in Feld-u. Weideland. Meterhohes Gras, Gestrüpp und doch, es ist es der Camino. Es geht eine Anhöhe hinauf, auf der anderen Seite ein felsiger Weg hinunter in eine langezogene Bucht, mit einem wunderschönen Strand. In der Ferne war die Stadt Castro – Urdiales zu sehen.
Unten angekommen machte ich erstmal eine Kaffeepause und suchte mir anschließend jemanden, der mich am Strand von Castro-Urdiales photographiert. Und weil der Ort so schön war, beschloß ich, hier ein bischen zu verweilen. Hatte ein Schild gesehen „frische Sardinen“ , da hatte ich richtig Lust drauf. Diese Sardinen hatte ich mir bestellt und mit Genuss verspeist. Nach dem Essen machte ich mich auf den Weg nach Islares. Muß man nicht unbedingt gesehen haben, liegt aber am Weg. Am frühen Nachmittag kam ich in der Albergo an. Wirklich sehr primitiv, aber egal, eine Nacht ging das schon.

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06.06.2013 3’te Etappe von Islares nach Santona 30 Km

Von dieser Albergo hatte ich mich gerne früh verabschiedet, ca 6 Uhr 30 zog ich weiter. Nach einigen Km schon die ersten Tropfen. Ich hoffte, daß es dabei bleibt. Nach ca 1 1/2 h Laufzeit wurde der Regen immer heftiger. Ich suchte Schutz unter Bäumen, aber der Regen war so heftig, daß Bäume auch keinen Schutz mehr boten. Also, ich holte meine Regenhose aus dem Rucksack, aber viel brachte das auch nicht. Ich sah ein Gehöft, wo ich mich, bis das schlimmste vorrüber war unterstellen konnte. Weiter ging es nach Laredo, einen endlos langen Strand entlang, das Wetter war noch immer trüb und regnerisch. Ich erreiche den Hafen und die Fähre nach Santona. In Santona gab es eine schöne Herberge und da traf man viele Pilger, die das gleiche Ziel hatten.

07.06.2013 4’te Etappe von Santona nach Güemes 38 km

Ich verließ die Herberge in Santona gegen 7 Uhr. Zuserst ging ich in die Stadt, um mich mit den notwendigsten Proviant für den Weg zu versorgen. Das Wetter war bedeckt, leichter Nieselregen. Zunächst lief  ich ein ziemliches Stück auf der paralell zum Strand verlaufenden Straße. Der Camino bog dann in ein Wäldchen ab und dann ging es hart zur Sache. Der Monte Buciefo, der Aufstieg steil, felsiger- glitschiger Untergrund, die Küste rechts, wegen des Nebels nichts zu sehen. Habe gehört, daß dieser Weg, bei Regen zu gefährlich ist und gesperrt wird. War gut über den Berg gekommen, auf der anderen Seite sonst eine traumhafte Bucht und Badestrand, an diesem Tag Nebel und Nieselregen. Als ich in Noja angekam mußte ich erstmal meine Kleider komplett wechseln. Wieder einmal alles naß.  In der Stadt trank einen Kaffee und fragte mich nach dem Kloster Santa Maria de la Merced durch.  Ein freundlicher Spanier fuhr mich sogar zu diesem Kloster. Ich wollte mir einen Stempel für die Credecale abholen. Eine  Schwester empfing mich sehr freundlich. Um sprachlich besser klar zu kommen, kam noch eine weitere Schwester die englisch sprach. Der Orden arbeitet wohl mehr in Asien und Lateinamerika. In diesem Kloster haben sich die Schwestern ( 9 )darauf spezialisiert, ausgezeichneten Kuchen und Gebäck zu backen. Wie ich gehört habe, haben sie großen Erfolg damit. Zum Abschluß meines Besuchs bekam ich noch eine Schachtel Gebäck, ich gab eine Spende für den Orden. Weiter ging es ins Hinterland, das Ziel war Güemes und die dortige Albergo von Pater Ernest. Davon später mehr.

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08.06.2013 5’te Etappe von Güemes nach Santander 16 km

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10.06.2013 6’te Etappe von Santander nach Santillana del Mare 40 km

Nachdem ich den Ruhetag in Santander damit verbrachte, die neu für diesen Camino angelegte Seite vom Netz zu nehmen, diese Seite war durch einen Hackerangriff manipuliert worden, ich mußte auf die Schnelle eine neue Seite anlegen. Die vorbereitete Seite war nicht mehr reperabel. Der Optimist, ich war guter Dinge, daß es  wieder gut läuft. Ich machte mich auf den Weg, mein Hostel war direkt am Camino gelegen. Das Wetter leicht diesig und regnerisch, aber eher harmlos gegen das, was ich in den letzten Tagen erlebt hatte. Kein Photowetter, alles grau in grau. Ich konzentriere mich auf den kürzesten Weg von A nach B, da von der Landschaft sowieso nicht viel zu sehen war. Gott sei Dank,  hatte mich nicht verlaufen. Ziemlich fertig komme ich in Santillana an. Die Albergo war ziemlich bescheiden, ich hatte aber keine Lust weiterzulaufen und eine Albergo zu suchen. Der Ort selbst sehr schön, hystorische Bauten, sehr gepflegt, der spanische Geldadel. Offenbar spürt man die Krise, es ist absolut nichts los.

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11.06.2013 7’te Etappe von Santillana del Mare nach San Vincente de la Bariquera 36 km

Ich war froh aus dieser Alberge und diesen engen und nicht gerade sauberen Affenstall schnell rauszukommen. Etwa um 7 Uhr verließ ich die Albergo, das Wetter war ausgesprochen angenehm. Die Landschaft sehr hügelig, ich kam auch gleich mächtig ins schwitzen. Mittags hatte ich die Stadt Comillas erreicht. Viele Sehenswürdigkeiten, photographieren usw.. Meine Beine taten schon weh, war ich doch schon 28 km gelaufen und mußte, um das Ziel San Vicente de la Barquera zu erreichen, noch 13 km laufen. Total ausgelaugt kam ich dann an und suchte umgehend eine Albergo. Hoch über der Stadt in der Nähe der hyst. Kirche befand sich die Albergo, wirklich in Traumlage. Gemeinsames Abendessen und dann bald schlafen.

Bilder habe ich leider bei der Bearbeitung geschrottet.

12.06.2013 8’te Etappe von San Vincente de la Bariquera nach Colombres 23 km

Die Alberge Al Galeon war hoch über der Stadt gelegen, ein traumhafter Blick auf den Fluß und das Hinterland. Die Kathedrale in unmittelbarer Nachbarschaft. Familiär ging es zu, gemeinsames Abendessen und Frühstück.
Ich starte bei allerschönstem Wetter. Der Camino verläuft größtenteils entlang der Landstraße, das ist weniger angenehm LKW ect.. Mittags kam ich in der Alberge an. Groß, schön, sauber, eine Schulklasse aus Lanzerote verbringt, hier gerate die Abschluß-Freizeit. Klassenlehrer Anton Hernandez, ich hatte im versprochen ein Bild seiner Klasse in diesem Blog zu veröffentlichen. An dieser Stelle eine Entschuldigung. Bei der Bearbeitung der Bilder, muẞ ich auch dieses Bild geschrotet haben. In der Albergo waren gerade mal 4 Pilger, macht nichts, das war angenehm, keine Schnarcher.

13.06.2013 9’te Etappe von Colombres nach Villahornes 58 Km

Kaum hatte ich die Albergo in Colombres verlassen, da fing es schon wieder zu regnen an. Der Regen nahm ständig an Heftigkeit zu. Daß es hier so viel und heftig regnet, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. In der Ferne sah ich eine Fernfahrer-Raststätte an der Straße. Das war meine Rettung, nichts wie rein und warten ob es besser wird oder Notfalls mit dem Buss weiter. Und es wurde nicht besser, 2′ Option, mit dem Buss nach Llanes. Der Bus sammelte unterwegs noch einige Pilger ein. in Ilanes angekommen, begab ich mich erstmal auf die Suche nach einem Poncho, Fehlanzeige Gr.XL nicht verfügbar. Dann probierte ich es mit einem Schirm, das habe ich mir bei anderen Pilgern abgeschaut. Sieht zwar blöd aus, aber wer fragt danach. Der neue Schirm erwies sich nach kurzer Zeit als sehr nützlich, denn es fing schon wieder an zu regnen. Da der Regen so heftig war, suchte ich Unterschlupf unter einem Gebäudevorbau.
Als der Regen etwas nachließ, lief ich wieder weiter. Eine Albergo weit und breit nicht in Sicht. Es war bereits 18 Uhr, als ich ein Bar ansteuerte. Durst, Hunger, naß bis auf die Knochen, der Barbesitzer sagte mir, daß in ca 1 km eine Albergo käme. Das ging gerade noch, die Albergo erreicht, ich war der einzigste Pilger, der die Nacht dort schlief. In diesem gottverlassenen Ort Villahornes gab es dann noch eine Bar. Die Wirtin machte mir zum Glück noch eine Tostada mit Schinken und Käse. War echt gut, zurück in die Albergo, ins Bett, ich schlief dann schnell total übermüdet ein.

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14.06.2013 10’te Etappe von Villahornes nach Ribadesella 10 Km

Wegen der rel. kurzen Distanz die ich heute laufen wollte, habe ich mir Zeit gelassen. Ich dachte, ein Frühstück nimmst du unterwegs, es wird wohl nicht so lange gehen. Ich lief so ca 10 Min. dann zeigte der Camino-Pfeil links den Berg hinauf. OK dachte ich mir, wenn die meinen laufe ich da hoch. Aber so was, Serpentinen vielleicht 17-18 % Steigung auf ca 2 km. Ich dachte mir, wer hat sich denn so etwas ausgedacht, zumal der Weg, nachdem ich die Hochebene erreicht hatte, über eine Art Passtraße wieder ins Tal führte. Das war als sportl. Zusatzleistung zu betrachten. Wäre ich im Tal auf der Straße geblieben, wäre ich viel weiter gekommen. Wenn ich den Pfeilen weiter gefolgt wäre, ich wäre irgendwo in der Pampas gelandet. Da oben in der Bergen, weit und breit keine Zivilisation, passieren darf einem da nichts.
Nach dieser schlechten Erfahrung, bin ich auf der Straße nach Ribadesella weitergelaufen. Traf dann noch ein deu Paar, das vollbepackt mit dem Fahrrad unterwegs war. Ribadesella hat mir gut gefallen. Die Stadt des Sidre ( eine Art Apfelwein), Besonderheit, dieser Sidre wir vom Kellner im hohen Bogen in das Glas gegossen. Der Sidre soll bei dieser Prozedur Sauerstoff aufnehmen und besser schmecken. Unterkunft fand ich in der Jugendherberge, sehr schön, direkt am Meer gelegen. Da das Wetter so schön war, erst mal an den Strand und die tolle Bucht geniessen.

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 15.06.2013 11’te Etappe von Ribasella nach Calunga 22 km

Die Übernachtung in der JH war ganz Ok, vor allem die Lage direkt am Meer. Frühstück hat es wie auch sonst nicht gegeben. Man hofft immer, auf dem Weg eine Bar/Cafe zu finden. Anstatt eines Frühstücks, kurz nach dem Start gleich wieder ein krasser Anstieg. Ich frage mich dann immer, mit was habe ich das den wieder verdient. Es geht halt immer rauf und runter. Das Wetter war heute ganz Ok, man ist immer froh, wenn es nicht regnet. Heute führt der Camino streckenweise direkt an der Küste entlang. Wobei der Weg in Abschnitten durch Viehweiden führt. Diese Wege Hohlwege werden von Kühen und Pilgern gleichberechtigt benutzt. Nur mit dem Unterscied, daß die Kühe einfach wenn sie Lust haben, sich des überflüssigen Ballasts entledigen können. Das hat zur Folge, daß das Laufen in diesen Hohlwegen zu einer besonderen Herausforderung wird. Dünnflüssiger Kuhmist vermengt sich mit Schlamm und Wasser und durch diese knöchelhohe Pampe muß man dann durch. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit. Als ich diesen Abschnitt bewältigt hatte, zog ich bei der nächster Gelegenheit die Schuhe und Socken aus, um alles zu waschen. Thats Camino, man muß es schon mögen. Aber für seine Mühen und Qalen wird man dann auch wieder entschädigt. Ich laufe dann, um allen Risiken aus dem Weg zu gehen, auf der Landstraße weiter und komme gegen Mittag am Zielort Calunga an. Eine Herberge gibt es hier nicht, also gehe ich in ein Hostel. Das Zimmer war OK, aber der Wirt, das Essen, alles unvorstellbar Fett, ungenießbar.    Eines muß man den Spaniern ja lassen, sie unterstützen ihre Wirtschaft nach Kräften. Kommt man in eine Cafe/Bar, so sitzen da immer Leute die Palabern, Essen , Trinken. Auch die Frauen behauten ihr Recht und sind ebenao stark vertreten. Das ist halt die südländische Mentalität, man präsentiert sich halt, wenn es geht in der Öffentlichkeit und hält ein Schwätzchen.

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17.06.2013 13’te Etappe von Villaviciosa nach Gijon 23 Km

Heute verlasse ich die Albergo um ca 8 Uhr bei strömenden Regen. Um etwas Zeit zu gewinnen, gehe ich noch in einer Bar Frühstücken. Aber es wird nicht besser, der Regen läßt nicht nach. Raus auf den Camino, der Tag verspricht nichts Gutes. Nach ein paar km verlaufe ich mich, nachdem ich einen Schlammteich durchwatet und ein Viehgitter überklettert hatte. Also wieder zurück und auf den richtigen Weg. Der Tag alles grau in grau, photographieren konnte man vergessen. Aber das schlimmste kam noch in den Wald-und Wiesenpassagen. Alles aufgeweicht, Schlamm soweit das Auge reicht. So einen Tag möchte ich nicht noch einmal erleben. Am Nachmittag komme ich on Gijon ziemlich fertig an. Im Internet habe ich ein Hostel (hostellibertade) in der Innenstadt gefunden. Ein bischen die Stadt anschauen, essen und dann schlafen.

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18.06.2013 14’te Etappe von Gijon nach Aviles 28 Km

Ich verlies die Großstadt Gijon durch die Vororte, zum Meer hin große Hafenanlagen. Es dauert eine Weile, bis ich wirklich wieder in der freien Natur und auf einsamen Pfaden war. In den Orten Vega, Tabazo bis hinein nach Aviles rechter Hand Schwerindustrie, genauer gesagt der Stahlgigant Acelor Mittal (Canadischer Konzern). Die Menschen hier machen etwas mit. Luftverschmutzung, Lärm, die ganze negative Umweltpalette. Die Menschen waren zuerst da, Sie haben ein Anrecht auf eine unbelastete, lebenswerte Umwelt. In solchen Fällen kommt dann gleich das Argument, ja die Arbeitsplätze und die Steuern etc. . Tatsächlich ist es so, daß diese Großkonzerne an den Orten an denen sie Ihre Alagen betreiben, keine Steuern bezahlen. Die Gewinne fließen in Steuerparadiese ab und dort werden irgendwelche superreiche Investoren bedient. 
Das Thema kann man auch nicht so einfach abtun, anderseits bin ich hier, um Freude am Camino zu haben. Aber irgenwie hängt doch alles auch damit zusammen.

Weiter auf den Camino, das Wetter ist zwischenzeitlich ganz angenehm. Unterwegs traf ich noch zwei Frauen aus Posen/Polen. Sie sind in Gijon gestartet, der 1’te Tag, es läuft noch etwas zäh, mit dem Tempo. Ich war dann auch gleich wieder weg. So gegen 14 Uhr kam ich in Aviles an, Rucksack in Alberge abgegeben und die schöne Altstad angeachaut. 22 Uhr muß man in der Albergo sein.

Erwähnen möchte ich noch, daß ich am Abend in einer Bar/Restaurante noch etwas gegessen hatte. ich wollte etwas kleines, vielleicht eine Suppe die nicht so schwer im Magen liegt. Die Suppe die bestellte gab es nicht mehr. Der Wirt empfahl mir eine Fabada (eine Art Bohnen-Eintopf mit Schweinebauch und Wurst), das ganze für meine Verhältnisse unbeschreiblich fett. OK , ich überwandt mich und versuchte es wenigstens. Der ganz groß Genuß blieb letztlich aus, Saubohnen mit Speck, wer ißt das bei uns, hier ist es eine Art Nationalgericht. Auf jeden Fall wurde ich beobachtet und einer am Nebentisch der über die „besten“ Englischkenntnise verfügte, mußte mich fragen, ob mir diees Gericht geschmeckt hat. Dieser Mann war kein geringerer, als Prof. Dr. Julio Villa-Gracia von der der Villanova University of Pennsylvania. Diese Univeraität ist bekannt, dort spielt z. B. ein bekanntes Basketball-Team. Also, ich habe ihm gesagt, das diese Fabada nicht so ganz mein Gusto sei. Er meinte , er könne es verstehen, es liegt einem schon sehr schwer im Magen, ungeachtet der dadurch produzierten Biogase, die ins Gasnetz und nicht Schlafraum einer Albergo gehören.

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19.06.2013 15’te Etappe von Aviles nach El Pitu Km 27


OK,die Alberge in Aviles war gut belegt, früh ging das übliche kruschteln los, ich machte mich auch bald auf den Weg, an weiterschlafen war nicht zu denken. Unterwegs in der Stadt, hatte ich noch gefrühstückt. Raus aus der Stadt und der Camino hat mich wieder. Zwischenzeitlich hatte es wieder zu regnen begonnen. Bitte, bitte ich verlange doch nichts unmögliches, ich möchte nur nicht dauernd im Regen laufen. Keiner hört mich, der Regen hält an und wird immer stärker. Ich kehrte kurz ein, in der Hoffnung es wird besser, aber nein.
Und dann wurde es so richtig extrem. Auf einem Waldpfad dann das totales landunter. Tiefe Fahrspuren, re, li, alles unter Wasser, keine Ahnung wie ich auf die andere Seite komme. Ich kam natürlich rüber, ich weis auch nicht wie. Aber das war schon grenzwertig und es verdirbt einem die Lust am Pilgern.
Unterwegs hatte ich noch einen Pilger aus Freiburg getroffen, er sprach fließend spanisch, super, sein Vater war Spanier.

Unterwegs hatte ich schon an Bäumen eine Offerte von einem Hostel Rual in El Pitu gesehen. Z. B. Zimmer mit Dinner und Frühstück € 22, nicht schlecht. Bis es soweit war verging noch etwas Zeit. Zuerst ging es noch durch eine Art Urwald. Gestüpp total nass hing in den Weg. Tropfnass erreiche ich El Pitu, ich war am Ende und meine Pilgerromantik und ziemlich zerstört. Das Hostel, ein sehr schönes Zimmer, die Wirtin machte ein schönes Abendessen. Übrigens, draußen regnete es immmer noch. Ferry, sagte ich zu mir, vergiss diesen Tag ganz schnell.

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20.06.2013 16’te Etppe von El Pitu nach Ballota 23 Km

Was ein Wunder, es regnet mal nicht. Ich machte mich auf den Weg, zunächst ganz gemächlich. Ich sah unter Umgehung eines Verbots ( Sperrung eine großen Straßenbrücke ) eine Möglichkeit, einen schweren morastigen Wegabachnitt durchs Tal zu umgehen. Super toll, das hat geklappt, aber dann ging es mal wieder richtig zur Sache. Einen endlosen Berg hinauf, immer hoffte ich, nach der nächsten Kurve muß ich doch die höchste Stelle erreicht haben. Denkste, das schlimmste stand noch bevor. Ein vielleich 500 m langer Abschnitt mit einer Mörder- Steigung. Ja bin ich den der Reinhold Messmer, alle 30-40 m mußte ich stehen bleiben um Luft zu holen, man muß bedenken, ich hatte meinen Rucksack mit ca 12 kg auf dem Rücken. Oben angelangt, dachte ich, so das war jetzt. Wunschdenken, es ging immer noch weiter.  Bei diesem wahnsinnigen Aufstieg, hatte ich plötzlich die Idee, eine vermeintliche Abkürzung zu nehmen. Fatal, ich stand schnell in der totalen Wildnis, Dornen Gestrüpp, nichts ging mehr. Mühsam mußte ich mich wieder auf den Weg zurückkämpfen. Die Beine total verkratzt. Das war mir eine Lehre, lieber auf dem richtigen Weg bleiben.

Ok, es ging dann wieder hinunter ins Tal, großartige Sicht auf die Küste. Ich wußte nicht wo ich war. Es war der Ort Ballota, direkt am Meer gelegen. Ich quartierte mich in ein Hotel ein, es war das einzigste im Ort. Das war schon Luxus, gegenüber den gewohnten Albergos. Sehr gutes Abendessen, Blog schreiben und dann schlafen.

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21.06.2013 17’te Etappe von Ballota nach Luarca Km 25

In diesem Hostel in Bollata hatte ich mich wohl gefühlt. Gut gegessen, gut geschlafen und noch etwas Fernsehen Spanien – Haiti 10 : 0, also die Welt in Ordnung. Morgens schaute ich auf der zum Meer hin zugewandten Seite zum Fenster hinaus, schwarze Wolken und Regen. Nein bitte nicht schon wieder, aber kein erbarmen, raus in den unfreundliche asturischen Tag. Nach einer Weile, öffnete ich meinen Schirm, der Wind bließ so stark, das dieser erst mal auf links gedreht wurde. Also der Schirm wäre dann auch hinüber. Gott sei Dank besserte sich das Wetter und man konnte die Regenkleidung wieder ausziehen. Diese Regenkleidung hat den Nachteil, daß man darunter sehr schwitzt. Auf dem Weg nichts aufregendes, Richtung Meer die Sicht immer noch grau in grau. Ich lief und lief und dachte, kann es den sein, ich müßte vom Gefühl her schon längst in Luarca sein. Das ist aber immer so, wenn der Weg eintönig, einfälltig verläuft, dann kommt einem der Weg auch sehr lange vor. Ich erreichte Luarca, Eine kleine Fischereistadt, wunderschön in einer Bucht gelegen. Mit meiner Suche nach einem günstigen Hostel bin ich rel. schnell fündig geworden, allerdings waren die Preise schon etwas gehobener. Gemessen an den Preisen in Deutschland, immer noch günstig. Leider war das Krakenmuseum, das ich unbedingt sehen wollte schon zu.

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22.06.2013 18’te Etappe von Luarca nach Novia Km 22

Früh morgens verließ ich das kleine, hübsche Fischerstädtchen. Auf dem Hochplatto angelangt, noch einmal einen Blick zurück. Der Camino abwechslungsreich Wald, Wiesen, wobei auch lange Teilstücke des Weges immer an die Nationalstraße endlang verlief. Nichts aufregendes, man war ja froh, wenn es einmal nicht regnete. Trotzdem, der Himmel war bedeckt, die Temperaturen vielleicht bei 13 – 14 Grad. Ich lief alleine, weit und breit keine Pilger in Sicht. Doch einen habe ich gesehen, der war mir schon aufgefallen, ein Spanier der hatte unglaubliche Säbelbeine. Den würde ich zum Rasenmähen einstellen. Lange mußte ich laufen, bis ich endlich meinen „Cafe con leche“ bekam. Ansonsten war es schon etwas einfälltig, dann vergeht die Zeit noch langsamer und das Ziel ist noch ferner. Schließlich traf ich am Nachmittag im Zielort Navia ein, eine kleine Stadt, in einer Meeresbucht gelegen. Ein Zimmer hatte ich auch schnell. Mit dem Abendessen ist das immer so eine Sache. Die Restaurants möchte gerne etwas hochpreisig verkaufen. Leider ist man das üppige Abendessen nicht gewohnt. Meist reicht ein „salata mixta“ oder ähnlich.

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23.06.2013 19’te Etappe von Navia nach Ribadeo 30 km

Für mich die schönste Etappe auf dem Camino del Norte. Um ca 11 Uhr verschwand die Wolkendecke und dann ein strahlend blauer Himmel. Auf einmal waren sie wieder da, die un- glaublichen Farben der Natur, man sieht es sofort auf den Fotos. Bei Tapia  lief ich entlang einer großen Bucht und einem wunderschönen Sandstrand. Ein Mopedfahrer hielt an, als ich am Straßenrand stand und in meinem Guide etwas suchte. Er gab mir eine kleine Wegbeschreibung des Küstenwegs nach Ribadeo. Das war recht hilfreich. In einer Bucht kurz vor Ribadeo, ich konnte nicht anders, die Schuhe aus und durch den Sand laufen. Mächtige Wellen spühlte das Meer heran. Kurz vor Ribadeo, eine 600 m lange Straßenbrücke mit Fußgängerweg (40 m Höhe)über der  Bucht. Da wurde es mir ganz anders,  in dieser Höhe und bei starkem Wind. 
Ribadeo, die Stadt nichts besonders, Überrachtung in einem Hostel, morgen gehts weiter. Übrigens, ich habe jetzt Galicien erreicht.

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24.06.2013 20’te Etappe von Ribadeo nach Villanova de Laurenza Km 30

Ribadeo war die letzte Stadt an der Küste, nun geht es in Galiciens Norden und weiter ins Landesinnere. Beim Verlassen der Stadt Ribadeo passiere ich den Camino-Stein km 194, d.h. ich war noch 194 km von Santiago de Compostela entfernt.  Galiciens Norden ist sehr dünn besiedelt. Man läuft oft Stunden, bis man wieder auf eine Ansiedlung trifft. Das Land ist überwiegend landw. geprägt. Sehr weit verstreute, einzeln gelegene Höfe. Ich laufe und laufe bis ich mich dann auch noch verlaufe. Es fehlten Wegmarkierungen und schon hatte ich die falsche Verzweigung eingeschlagen. Ich versuchte Einheimische nach dem richtigen Camino zu fragen. Die Konversation gestaltete sich sprachlich etwas schwierig. Ich verstand nur soviel, daß ich zu weit Richtung talwärts rausgekommen war. Klar ich mußte wieder auf die Anhöhe hinauf, der Camino verlief 300 m höher. ich quälte mich wieder den Berg hinauf und fand die Caminomarkierungen. Ich hatte tierischen Hunger und Durst. Meine Vorräte nachezu aufgebraucht,  in absehbarer Zeit war lt.  Guide keine Bar/Restaurante zu erwarten. Was tun, ich hatte noch eine Dose Thunfisch (eiserne Reserve) und etwas Mandelgebäck dabei. Was half es, zur Not frißt der Teufel Fliegen, also Dose auf und Thunfisch mit Mandelgebäck dazu essen. Zugegeben, schon eine merkwürdig Zusammenstellung, aber bevor man mich eines Tages, als Skelet auf dem Camino findet, dann doch lieber so. Es war schon ziemlich spät, als ich auf die in meinem Guide angegebene Bar/Restaurante treffe. Nichts wie rein da, ein Servesa und ein Bogadillio waren jetzt angesagt. Die Leute schauten mich an, als sei ich total ausgehungert. Auf jeden Fall hatten ich jetzt wieder Kraft, um die restlich Strecke nach Vilanova de Laurenza zu bewältigen. Die Gemeinde Laurenza verabschiedet die Pilger mit den Worten „Que O Apostol os guie“ was heißt, „möge euch der Apostel leiten “ .Gegen 18 °° Uhr traf ich in der Albergo ein, sehr modern und gut ausgestattet. Relativ wenig Pilger, aber das ist aus meiner Sicht eher ein Vorteil.

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25.06.2013 21’te Etappe von Villanova de Laurenza nach Gontan Km 24

Heute stand eine große Bergetappe auf dem Plan. Das Wetter war angenehm, mittags wurde es sogar richtig heiß. Viele Pilger hatten Angst vor dieser Etappe, ca 400 Höhenmeter waren zu überwinden. Bis zu der Stadt Mononede lief alles ziemlich gemächlich und normal, ein kleine Pause, Cafe con leche, aber dann ging es am Stadtrand so richtig zur Sache. In einem langezogenen Bergtal führte eine Paßstraße, mal steil, mal flacher hinauf. Anfangs kein Problem, nach ca 3 Stunden Aufstieg ging einem die Sache doch etwas auf die Knochen. Zum Glück war die Paßstraße bewaldet und schattenspendend. Unterwegs mußte ich mir in einem abgelegenen Bauerhof Wasser holen. Ohne Wasser wird es gefährlich. Einige Pilger habe ich überholt, außer einem freundlichen Hola und buon Camino, gibt es kaum Unterhaltung. Dafür reichen meine span. Kenntnisse einfach nicht aus. Der Zielort Gontan, ziemlich abgelegen, aber die Albergo gut ausgestattet. Sogar WiFi gab es da und das ist zum schreiben des Blogs sehr wichtig.

26.06.2013 22’te Etappe von Gotan nach Vilalba Km 22

Start in Gontan, kleines Dorf, 3 Bars, 10 Häuser. Schon komisch, man sieht immer jemanden der in der Bar hockt und das in aller Frühe. Die Bar scheint der Komunikationsmittelpunkt in der Gesellschaft zu sein. Also ich nehme mein Frühstück und mache mich auf den Weg. Es bläst ein eiskalter Wind, zum Glück ein Rückenwind, er bläst mich Richtung Santiago. Ich lief ein großes Stück auf der Nationalstraße, weil ich es manchmal leid war, Riesenumwege ins Hinterland zu machen, ohne wirklich voranzukommen. Unterwegs traf ich Giuseppe, ein lustiger Italiener aus Mailand. Am meisten Spaß hat er, wenn er Pilger sieht, die sich mit dem Pilgertaxi zum Etappenziel fahren lassen. Sein Kommentar Touristi Taxi. Diese Art der Pilger-Fortbewegung ist natürlich bei einem echten Pilger verpöhnt.
Wir treffen gemeinsam um die Mittagszeit an der Albergo in Vilalba ein. Moderner Bau, zweckmäßig, sauber. Nebenan eine Bar/Restaurant, daß die armen Pilger nicht verhungern und verdursten.

Eine kleine Geschichte zur Motivation. Da hat mir doch Caroline (30) aus Cornwall (England) erzählt, als ich Sie nach Ihrer Motivation für den Camino fragte. 

Sie habe Ihr Medizinstudium beendet und sei zur Zeit ohne Wohnung. Da sie ihre erste Anstellung an einem Krankenhaus im September beginne, hat sie sich erst mal entschlossen, auf den Camino zu gehen, um die Zeit zu überbrücken. Auch eine Methode, um das Wohnungsprobleme lösen.

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27.06.2013 23’te Etappe von Vilalba nach Baamonde Km 23

Wenn man nichts mehr zu schreiben weis, dann doch einfach über das Wetter. Also das Wetter macht mir viel Freude, da es nach dem Verlassen der Küstenregion keinen Tropfen mehr geregnet hat. Stören tut eigentlich nur der kalte Wind. Also hinaus auf dem Camino, mal sehen was der Tag bringt. An diesem Tag gesellen sich Guiseppe(It) und Karl aus dem Saarland zu mir. Jeder meint, er müsse der schnellste sein und so geht es in einem Höllentempo rauf und runter. Um es vorweg zu nehmen, die Sache ging unentschieden aus. Wir passierten Caminostein km 111,111. Leider hat irgendein Idiot das Schild herausgerissen und mitgenommen.
Ein schöner Caminoabschnitt,  rel. flaches Gelände, gepflegte Wege in Mischwäldern. Wir trafen schon vor 12 Uhr an der Herberge in Baamonde ein. Man muß dann bis 13 Uhr warten, bis sich die Türen öffnen. Es ist immer ein kleiner Vorteil, wenn man sich den Schlafplatz aussuchen kann. Übrigen die Herberge, ein sehr schöner Bau, auch die Schlafräume sehr schön.
Am Nachmittag besuche ich noch das Museum „Casa Museco“ von Victor Corral, ein weltberühmter Künstler/Bildhauer. In dem zum Anwesen gehörenden Garten beeindruckende, ausdrucksvolle Arbeiten des Künstlers zu sehen. Außerdem gab es in dem Garten noch eine 800 Jahre alte Edelkastanie zu bewundern.

Casa Museo in Baamonde, Victor Coral Castro

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28.06.2013 24’te Etappe von Baamonde nach Sabrado dos Monexes Km 41

Bei dieser Riesenetappe galt es eine zusätzliche Übernachtung in Miraz zu verhindern. Die 41 km waren mir an diesem Tag zu viel, es blieb nur der Weg über ein nördlicheres Ziel entlang der Nationalstraße, weil nur dort der Bus fuhr. Dieser Plan erwies sich als gut, ich stieg dann unterwegs aus und lief in südl. Richtung nach Sabrado dos Monxes 20 km. Um die Mittagszeit kam ich in Sabrado an. Ein kleiner Ort, mit einem berühmten Zisterzienser-Kloster. Ich quartierte mich im Kloster ein, Ein Mönch zeigte mir die Einrichtungen. 
Viel gab es in diesem kleinen Ort nicht zu tun, das Kloster habe ich mir angeschaut, Bilder gemacht ect.. Am Abend hatte ich dann noch an einer Andacht der Mönche teilgenommen. Das war dann schon interessant.
Die 22 Mönche, 1 Mönchin saßen im Kreis um einen Altar. Ein Chor, mehrstimmiger Gesang, alles lat.. Dann eine Pause, nochmal Gesang. Dann beobachtete ich, wie einer der jüngeren Mönche ziemlich müde wurde und sein Kopf dauernd herunter fiel. Ich hatte das Gefühl, wenn das so weitergeht, dann fällt der gleich vom Stuhl.
In einer weitern langen Pause (ca 1/4 h ), verließ einer der Mönche die Veranstaltung und ging raus. Der hatte dann wohl genug. 
Weil mir die Pausen, ohne daß irgend etwas passierte zu lang waren, bin ich dann auch gegangen. Das Alberberge-Schlaflager war der Horror, Schnarcher sägten wieder dicke Bretter. Ich könnte sie würgen, dieses Schnarcherpack.

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29.06.2013 25’te Etappe von Sabrado dos Monexes nach Azura Km 23

Schon früh hatte ich die Kloster-Albergo verlassen, ich wollte der Mittagshitze aus dem Weg gehen. Nachdem ich meinen Colacao ( ä. Ovo) getrunken hatte und auf dem der Straße entlang führenden Camino lief, gesellte sich ein kleiner Hund (Mischling), sehr nett anzuschauen, zu mir. Er wich nicht mehr von meiner Seite. Als ich ihn dann noch gegen den Angriff eines größeren Hundes verteidigte, hatte ich das kleine Hundeherz voll gewonnen. Nach ca 10 km fand unsere Beziehung dann doch ein jähes Ende. Als ich einige Häuser passierte, bauten sich am Zaun 2 kleine Kläffer auf. Das war meinem kleinen Begleiter dann doch zu viel. Er traute sich da nicht mehr vorbei. Also mußte ich meinen Weg wieder alleine fortsetzen.
Die Sonne brannte schon heftig herunter, als ich um die Mittagszeit in Azura eintraf. In Azura vereinigen sich der Camino Frances und der Camino del Norte. Ein unglaublicher Strom von Pilgern vom Camino Frances traf hier ein. Die Pilger wesendlich jünger, als ich das von den anspruchvollen Wegen, wie die Via del a Plata, oder dem Camino del Norte gewohnt war. Ich hatte diesen Camino Frances 2009 gemacht, da war das noch etwas anders. OK es ist wie es ist, jeder geht seinen eigenen Weg und den er will.
Eine Alberge hatte ich schnell, einige Serveca trinken, Hausaufgaben machen und dann schlafen.

30.06.2013 26’te Etappe von Azura nach Lavacola Km 30

Die vorletzte Etappe hatte ich mir so zurechtgelegt, daß ich am Ankunftstag in Santiago de Compostela nur noch eine kurze Distanz laufen mußte und bis etwa 10 Uhr die Kathedrale erreichen würde. War ich vom Camino del Norte die Einsamkeit und Ruhe gewohnt, so hatte sich das seit Arzua total geändert. Bis zum Mittag hatte ich so ca 50 pilger passiert. Der Camino in diesem Abschnitt landschaftlich sehr schön. Insbesondere die Mischwälder als Schattenspender sehr angenehm. Nachmittags erreichte ich Lavacola, das war in etwa das Pensum (30 km) das ich erreichen wollte und müde war ich auch. Die nächste Gelegenheit wollte ich nutzen und die kam dann auch schnell. Ein einfaches Hotel, mal wieder ohne Schnarcher ruhig schlafen. Eine Gruppe ital. Pilger aus Trento war auch abgestiegen. Einer von denen erwies sich als wahrer Zauberkünstler. Er unterhielt sie ganze Bar, also noch ein kostenloses Programm vor dem Schlafen gehen. Die finale Etappe stand an.

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01.07.2013 27 Etappe von Lavacola nach Santiago de Compostela Km 11

Aufbruch um 7 Uhr 30 zur Finaletappe nach Santiage de Compostela. Ich hatte mir fest vorgenommen, diese Endetappe ganz gemächlich anzugehen. Und wieder rannte ich als sei ich auf der Flucht oder der Teufel hinter mir her. In Wirklichkeit war es so, daß der Camino del Norte für mich in ca 1’er Stunde Geschichte sein würde. Es ging Richtung Flughafen, dann an dem Riesen-Komplex des TV Galicia / TV Espania und zum Monte Gozo. Dann ging es auch schon hinunter in die Vororte Santiagos. Wie vorausberechnet, um 10 Uhr stand ich auf der Praza de Obradoiro vor der Kathedrale in Santiago de Compostela. Einige Min. innehalten, es gingen mir viele Bilder und Gefühle durch den Kopf. Die Wetterkapriolen auf dem Küstenweg, die beinharte Herausforderung, das Gelände rauf, runter, die Albergos, das Essen und nicht zuletzt die oft zermürbende Einsamkeit. Diesen Weg laufen aus gutem Grund nicht viele Pilger. Die ganze Spannung entlud sich, ich stand da und heulte wie ein Schloßhund.
Einige Fotos noch und dann ging es zum Pilgerbüro. Es war noch nicht viel los, ich legte die Pilger Credencale vor, in der alle Stationen meines Weges festgehalten und durch Stempel bestätigt waren. Fragte mich die Dame im Pilgerbüro doch allen Ernstes, ob ich den Weg ( ca 750 km ) auch zufuß zurück gelegt habe. Selbstverständlich sagte ich, was sonst. Ich bekam meine Compostela ausgehändigt und war überglücklich. Um 12 Uhr nahm ich noch an der obligatorischen Pilgermesse in der Kathedrale teil, bei der den Pilgern aus aller Welt der Segen erteilt wird. Irgenwie ging mir dieses Mal der ganze Pilger-Hype auf die Nerven. Ich wollte schnell wieder weg von hier. So stieg am nächsten Tag schon um 10 Uhr in den Bus Richtung Portugal und meiner Lieblingsstadt Porto. In Porto, mein Hostel&Guesthouse Porto Lounge, mein Quartier. Hier konnte ich meinen Rückflug (Direktflug) organisieren.

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7 Gedanken zu „Camino del Norte 2013

    1. franciscumX3 Beitragsautor

      Thank you for visiting my page.
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      regards
      Franciscum

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    1. franciscumX3 Beitragsautor

      Liebe Reni,
      habe mich sehr über Deinen Blogeintrag gefreut. Danke für Dein positives feedback.

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  2. Jemariesi

    Toller Eintrag! Ich will selbst mit einer freundin einen teil des weges gehen, allerdings haben wir nur zwei wochen. Hast du vielleicht empfehlungen welcher teil der strecke von der natur her am schönsten ist? Wir dachten an aviles bis nach santiago, weil wir da ankommen wollten, aber wolöen natürlich auch die schönstem wege am strand nicht verpassen… Tipps wären toll!! 🙂

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    1. franciscumX3 Beitragsautor

      Besten Dank für Deinen Kommentar, habe mich sehr darüber gefreut. Erfülle Dir einen Traum, gehe den Camino del Norte. 1’te Etappe Gijon – Aviles (nicht so schön, Stahlindustrie), ansonsten abwechslungsreich, schöne Landschaften. 14 Tage, das müßte reichen bis Santiago de Compostela. Alles Gute für Euch, Buon Camino.
      Ich selbst gehe in ca 14 Tagen den Camino Primitivo

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